Grundlagen: Monitoring

Monitoring

Überwachung - Grundlagen zum Management


Warum Monitoring?

Monitoring wird als eine kontinuierliche Überwachung von Vorgängen anhand von im Vorhinein definierten Parametern definiert. Diese sollen Informationen über den Status eines Systems und damit verbunden über dessen zeitliche Änderungen.
Bei Tierpopulationen können die beobachteten Parameter, je nach Ziel der Untersuchungen, zum Beipiel etwa die Populationsgröße/Individuenzahl, die Lebensraumbedingungen, Altersverteilung oder aber auch Bedrohungen und Akzeptanz sein.

Es geht beim Monitoring darum nicht nur wissensorientiert, sondern auch handlungsorient planen zu können. Folgende grundsätzliche Ziele sind möglich:

Etwas lernen vom System:
Monitoring über kritische Phasen hinweg, kann ein wichtiger Weg sein, unsere Kenntnisse über Interaktionen innerhalb der Lebensräume zu verbessern.
Änderungen erkennen:
Langfristiges Monitoring schafft immer eine fundierte Basis für oft auch kurzfristig und schnell notwendige Entscheidungen bzw. können die Daten für unbekannte oder auf langsame und langfristige Phänomene Hinweise liefern.
Interesse wecken, Bewusstsein schaffen:
Nur was man kennt, kann man auch schätzen. Der Stellenwert unterschiedlicher Themen und auch den damit verbundenen Herausforderungen lässt sich über eine fundierte Datenbasis verbessern.
Wirksamkeint von Managementmaßnahmen prüfen:
Ergebnisse aus dem Monitoring sind das wichtigste Werkzeug, die Wirksamkeit von Managementmaßnahmen zu überprüfen.
Entscheidungshilfen liefern
Für die Entwicklung von Maßnahmen und der Festlegung von Zielen sind Kenntnisse über die betroffenen System unabdingbar. Monitoring generiert diese Daten und Informationen, hier fundierte Entscheidungen treffen zu können.

Wie? Monitoringmethoden und Standards

Bevor ein Monitoringkonzept entwickelt wird, müssen fünf Fragen beantwortet sein: Warum, Was, Wann, Wie, Wer. Alle zu erhebenden Parameter und die Methoden dazu hängen von den Antworten auf diese Fragen ab. Im Wesen des Monitorings liegt in seiner Langfristigkeit. Es muss absolut sichergestellt sein, dass die Aktivitäten über lange Zeiträume immer gleich wiederholt werden können. Anderfalls ist ein Vergleich zwischen den Jahren bestenfalls erschwert, schlimmsten Falls unmöglich.

Habitatmodelle

Habitatmodelle sind für die Planung eines Monitorings eine wichtige Grundlage. Sie können dazu dienen, Populationen zu definieren oder auch Methden des aktiven Monitorings gezielter auf wichtige Lebensräume der jeweiligen Zielart auszurichten.

Dabei ist jedoch stets zu berücksichtigen, wie das Habitatmodell zu Stande gekommen ist und auf welchen Datenbestand es beruht (empirisch-statistische Modelle und nicht-quantitative Expertenmodelle; Bezugsgegend...)

SCALP: "Status and Conservation of the Alpine Lynx Population"

Ein wichtiger Bestandteil, die Vergleichbarkeit von Monitoringdaten sicherzustellen, ist die Anwendung zugänglicher, bekannter und erprobter Standards. Im Bereich des Beutegreifer-Monitorings hat sich hier zur Klassifizierung von Sichtungen bzw. Funden der SCALP-Standard etabliert.

Die Verantwortlichen für das Monitoring des Luchses in sieben Alpenländern arbeiteten im Projekt "SCALP" (Status and Conservation of the Alpine Lynx Population) zusammen. In diesem Rahmen haben sie sich auf eine gemeinsame Darstellung und Interpretation erhobener Monitoringdaten geeinigt. Diese Standardisierung erlaubt einen Vergleich im ganzen Alpenraum und hat sich dafür auch bereits bewährt. Dieses System kann inzwischen als Standard für Beobachtungen aller großen Beutegreifer gesehen werden.

Erhobene Daten werden nach ihrer Aussagekraft und Überprüfbarkeit in drei Kategorien eingeteilt:

Kategorie 1:
"Hard facts" wie Totfunde eines Tieres, Beobachtungen mit fotografischem Beleg, eingefangene (Jung-)Tiere und genetische Nachweise.
Kategorie 2:
Von ausgebildeten Personen bestätigte Meldungen wie Risse von Nutz- und Wildtieren, Spuren.
Kategorie 3:
Nicht überprüfte Riss-, Spuren und Kotfunde, und alle nicht überprüfbaren Hinweise wie Lautäusserungen und Sichtbeobachtungen.

Zusätzlich ist eine Kategorisierung als Falschmeldung oder dass keine Einstufung möglich war, weil notwendige Informationen fehlen.

Möglichkeiten

Passives Monitoring

Das passive Monitoring erfolgt über die Erfassung und Auswertung von Informationen, die nicht systematisch zur Art festgestellt werden. Das bedeutet, es steht kein Versuchsdesign dahinter, es wurde nicht aktiv an den Funden gearbeitet, sondern diese erfolgen zufällig. Dazu zählen z. B. Totfunde, oder Zufallsbeobachtungen.

Solche Zufallsbeobachtungen sind wichtig, da diese als Anhaltspunkt und Ausgangsbasis für systematische Monitoringvorhaben dienen können. Sie bringen jedoch auch ihre speziellen Herausforderungen, da eben kein standardisiertes Stichprobendesign dahinter steht und es damit zu Verzerrungen im Verbreitungsbild kommen kann. Auch ist der Beopbachter meist unbekannt, was die Einschätzung der Zuverlässigkeit erschwert. Umso wichtiger ist die Verwendung festgesetzter Kriterien, wie die von SCALP.

Aktives Monitoring

Beim aktiven Monitoring werden gezielt, nach einem entsprechenden Versuchsdesign, vorher nach vorher festgelegten Parametern Daten gesammelt um vorab definierte Ziele zu erreichen.

Die Sammlung der Daten kann auch opportunistisch erfolgen, d.h. dort wo man sie einfach erheben kann, was aber auch nur unstrukturierte Daten liefert. Diese können nichtsdestotrotz ein wichtiger Beitrag zur Erweiterung des Datensatzes aus einem standardisierten Design sein. Auch erlauben moderne statistische Verfahren Daten aus beiden Herkünften gemeinsam zu analysieren.

Zu den Methoden des aktiven Monitorings gehören nicht nur Feld- und analytische Methoden (DNA...), auch Fragebögen oder gezielte Befragungen von Experten können mit entsprechender Planung und Vorbereitung dazu herangezogen werden.

Quellen:

Heurich, M. (Hrsg.), 2019: Wolf, Luchs und Bär in der Kulturlandschaft. Konflikte, Chancen, Lösunen im Umgang mit großen Beutegreifern. Praxisbibliothek Naturschutz und Landschaftsplanung, herausgegeben von Prof. Dr. E. Jedicke. Ulmer-Verlag. Stuttgart. 287pp.