Herdenschutz­hunde

Hierzu zählen Hunderassen, die für den Schutz und die Verteidigung (vor Beutegreifern, streunenden Hunden) der ihnen anvertrauten Herde gezüchtet und ausgebildet werden. Sie sind dauerhaft Mitglied ihrer Herde, verbringen Tag und Nacht bei dieser und arbeiten eigenständig, ohne direkte Kommandos. Ein Herdenschutzhund ist darauf gezüchtet im Freien mit seiner Herde zu leben, mitzuziehen und diese zu beschützen. Bis in die Gegenwart werden Hunde, die auf diese Weise eingesetzt werden, von Hirten nach ihrem physischen Erscheinungsbild, ihrem Verhalten als Welpe und ihrer Arbeitsleistung ausgewählt.

Das Wesen des Herdenschutzhundes ist durch Zuverlässigkeit, Wachsamkeit und Schutzverhalten gegenüber seinen Weidetieren gekennzeichnet und verhindert oder reduziert so Verluste an Weidetieren. Für ein Zusammenleben von Beutegreifern und Weidehaltung sind Herdenschutzhunde neben anderen Herdenschutzmaßnahmen und technischen Werkzeugen eine bewährte Methode, Nutztiere vor Gefahren durch Wildtiere zu schützen.

Es gilt bei Herdenschutzhunden immer zu berücksichtigen, dass ihr Einsatzzweck das selbstständige Abhalten von Gefahren von ihrer Herde ist. Um hier Konflikte in der Landschaft mit Landnutzern möglichst zu minimieren oder gänzlich zu vermeiden, sieht der Gesetzgeber in der 2. Tierhaltungsverordnung vor, dass Hunde, die mit Nutztieren zum Einsatz kommen durch das Österreichzentrum Bär, Wolf, Luchs in Zusammenarbeit mit den Bundesländern zertifiziert werden müssen.

Die Zertifizierung umfasst sowohl den Hund als auch alle Menschen, die mit dem Hund arbeiten. Sie müssen zeigen, dass sie den Hund in diversen Situationen unterstützen können, indem sie seine Bedürfnisse und Verhaltensweisen verstehen und darauf entsprechend reagieren. Als Prüfer fungieren vom ÖZ beauftragte Fachexpert:innen im Bereich des Hundewesens.

Übersicht über Zertifizierungsinhalte

  • Beziehung Hund – Hundehalter, Hund am Hof/zivilisatorisches Umfeld:
    • Handhabung des Hundes, Führigkeit, Verhalten in Stresssituationen in bekannter und unbekannter Umgebung, auch abseits der Herde.
    • Hund lässt sich angreifen (Maul-, Pfoten-, Fellkontrolle), verladen in Auto/Anhänger
  • Verhalten gegenüber Fremden – Mensch und Tier
    • Begegnung mit Wanderern, Radfahrern, einzelnen Passanten, anderen Hunden, sowohl bei der Herde als auch abseits in Ortschaften/bebautes Gebiet
    • Zu keiner Zeit darf der Hund ein aggressives Verhalten zeigen
  • Hund – Herde:
    • Überprüfung Herdentreue, mit und ohne Ablenkung.
    • Hund – andere Hunde im Arbeitsumfeld, Verhalten gegenüber anderen Herdenschutz- und Hütehunden, Teamfähigkeit
    • Im Umgang mit der Herde sollten Fremde als normaler Teil der Umgebung wahrgenommen werden

Die vollständige Richtlinie mit allen Informationen und Inhalten zur Zertifizierung ist unter Publikationen des ÖZ als Download verfügbar. Das Dokument OeZ_Checkliste_Zertifizierung_HSH dient als Leitfaden für Landwirte, die einen Herdenschutzhund zur Zertifizierung anmelden wollen.

Eine Broschüre mit vielen Informationen zu Herdenschutzhunden, Haltung, ihrer Arbeitsweise, Geschichte und zur Aufzucht ist unter LSP_Herdenschutzhunde_Aufzucht_Einsatz als PDF verfügbar.

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