Beutegreifer heute in der Kulturlandschaft

Der Luchs: Biologie und Verhalten


Verbreitung in Europa Gestern und Heute

Wie bei den anderen Beutegreifern kam es in den letzten Jahrhunderten durch die direkte Verfolgung zu einem steten Rückgang, was letztendlich am Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts zur Ausrottung in fast ganz Europa führte. Dazu beigetragen hat aber auch der stete Rückgang der Waldgebiete und dem damit verbundenen Verschwinden von Beutetieren.

Nachdem 1887 in Kärnten und 1897 in Tirol die letzten Individuen des Luchses ausgerottet wurden, wurden zwischen 1977 und 1979 die ersten Luchse in der Steiermark freigelassen. 1995 wurde ein männlicher Luchs in Salzburg überfahren; seit dem Jahr 2000 gibt es regelmäßige Hinweise im Nationalpark Kalkalpen. Auch in Kärnten gibt es immer wieder Hinweise auf Luchse, die auf eine Einwanderung von Slowenien aus hindeuten. Das zweite größere Luchsvorkommen liegt im Böhmerwald. Dieses bildet mit den Vorkommen in Bayern und Südböhmen eine zusammenhängende Population.

Ursprüngliche Verbreitung

Der eurasische Luchs war eine der am weitesten verbreiteten Katzenarten. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckte sich von Russland, Zentralasien bis nach Europa. Seine Verbreitung wird durch die Anwesenheit des Menschen und seinen Aktivitäten stark eingeschränkt. Zusätzlich neigen sie dazu Offenland zu meiden, damit das Vorkommen nicht nur von der Waldbedeckung, sonder nauch von der Konnektivität abhängig. Der frühere Rückgang des Waldes und aber umgekehrt der jetzige Anstieg beeinflussen die Verbreitung des Luchses in Europa und Asien. (siehe auch https://animaldiversity.org/accounts/Lynx_lynx und https://www.lcie.org/Largecarnivores/Eurasianlynx.aspx für eine Verbreitungskarte.

Den Tiefstand erreichten die Luchspoulationen in Europa in der Mitte des 20. Jhd. Damals überlebten in Europa ohne Russland nur etwa zwischen 1720 und 2020 Tiere. Durch natürliche Ausbreitung vor allem in Skandinavien und Osteuropa und Wiederansiedlungen in insgesamt acht Ländern in Westeuropa erholen sich die Luchsbestände; mittlerweile leben wieder mehr als 9000 Tiere in Europa (Stand 2018).

Lebensraum

Grundsätzlich können sich Luchse flexibel an unterschiedliche Umweltfaktoren anpassen, was auch an ihrem großen Verbreitungsgebiet ersichtlich ist. Drei Anforderungen muss ein Lebensraum für einen Luchs aber auf jeden Fall bieten: Genügend Deckung zum Anpirschen, ausreichend Beute und Schutz vor stärkerer menschlicher Störung. Sie leben bei uns in Wäldern, jedoch ohne eine wirkliche Bevorzugung eines bestimmten Waldtyps.Die besten Vorraussetzungen bieten strukturreiche Wälder, um alles Ansprüche dieser Tiere zu erfüllen. Generell kommen Luchse in Gebieten mit mehr als 50% Waldanteil häufiger vor.

Aussehen, Körperbau, Charakteristik

Luchse sind nach dem Bär und dem Wolf die drittgrößten Beutegreifer in Europa. Sie besitzen ein typisches Aussehen, mit ihren schwarzen Haarpinseln an den Ohren, dem Stummelschwanz mit der schwarzen Spitze und dem Backenbart.
Luchse haben eine Körperlänge von 80 bis 110 cm und eine Schulterhöhe von ca. 55 cm, Männchen sind etwa um ein Fünftel größer als Weibchen. Die breiten Pfoten sind mit dichten Haaren bewachsen, was das Laufen im Winter bei Schnee ("Schneeschuhe") stark erleichtert.
Das Fellmuster ist sehr variabel. Skandinavische oder auch gebirgsbewohnende Individuen habe ein eher blasseres, wenig geflecktes Fell, in den Karpaten sind ein stark geflecktes, eher rotbraunes Fell vorherrschend. Die Musterung ist individuell und lässt so eine eindeutige Identifizierung einzelner Tiere zu.

Sinne, Leistungsfähigkeit

Luchse sind sehr gut an die Jagd in der Nacht angepasst. Sie sehen in der Dunkelheit um ein vielfaches besser als der Mensch und haben auch ein sehr viel feineres Gehör. Der Geruchssinn spielt dafür eine eher untergeordnete Rolle, speziell im Vergleich zu Wölfen, bezogen auf die Jagd. Für die innerartliche Kommunikation spielen Gerüche eine wichtigere Rolle, hier spielen z. B. Duftmarkierungen eine große Rolle bei der Abgrenzung und dem Erhalt der Streifgebiete.
Eine Besonderheit sind die für Katzenartige typischen Schnurrhaare, die eigentlich einen siebten Sinn bilden. Diese Schnurrhaare sind im vorderen Bereich des Körpers konzentriert, besonders an Kopf und Schnauze, aber auch an den Vorderbeinen. Diese Haare reagieren empfindlich auf Scherreize, so können sogar Luftströmungen registriert werden. Dies unterstützt die Jagd bei Dunkelheit, sogar blinde Tiere können so Hindernisse vermeiden.

Verhaltensmuster

Sozialverhalten

Luchse sind Einzelgänger. Männchen und Familiengruppen leben getrennt. Jedoch umfasst das Streifgebiet eines Männchen das mehrerer Weibchen.

Die Paarungszeit dauert von Februar bis März, Anfang Juni werden 1-4 Jungtiere geboren, die Nesthocker sind. Mit ca. zwei Wochen öffnen sie ihre Augen, sie müssen auch rund sechs mal am Tag gesäugt werden. Die Jungen werden zwischen viereinhalb und sechs Monate lang gesäugt, im Unterschied zum Wolf trägt die Luchsin kein Fleisch herbei. Im Alter von ca. neun bis zehn Monaten ist der Zahnwechsel abgeschlossen und die Tiere können selbstständig Tiere erbeuten. Ab September folgen diese bereits der Mutter auf Streifzügen und verlassen das Muttertier im darauffolgenden März oder April auf der Suche nach einem eigenem Streifgebiet, das Körperwachstum insgesamt ist jedoch erst nach ca. zwei Jahren abgeschlossen.

Ernährung und Jagdverhalten

Wie alle Katzenarten sind Luchse reine Fleischfresser und Ansitz- und Pirschjäger, die sich ihrer Beute unter der Ausnutzung von Deckungen auf wenige Meter nähern, um diese dann überraschend zu überwältigen und meist mit einem gezielten Biss in die Kehle erlegen. Dies steht im Gegensatz zu den Hiundeartigen wie dem Wolf, der seine Beute meist über weite Strecken hetzt.

Die Beute sind hauptsächlich Rehe oder auch Gämsen, sie können sich auch aber von kleineren Tieren wie Hasen ernähren, was sich aber auch in der Körpergröße der entsprechenden Luche wiederspiegelt. Das Spektrum an Beutetieren kann sich allgemein von einer Maus bis hin zu einem Elchkalb erstrecken. Bevorzugt werden kleine Huftiere, die etwas mehr wiegen als der Luchs selbst. Der Nahrungsbedarf liegt etwa zwischen 1,1 und 2,7 kg Fleisch. Das bedeutet, dass ein Luchs im Durchschnitt zwischen 45 und 57 Rehe pro Jahr erlegen kann.
Die Größe des Jagd- bzw. Streifgebietes ist eng an die Dichte der möglichen Beutetiere gekoppelt: Je höher die Dichte, desto kleiner die Streifgebiete. Die größten findet man in Nordskandinavien mit 500 bis 1500 km², die kleinsten bei uns in Mitteleuropa mit 100 - 450 km². Es ist damit von einer Dichte zwischen 0,1 und 4,2 Luchsen pro Quadratkilometer auszugehen.

Quellen:

Heurich, M. (Hrsg.), 2019: Wolf, Luchs und Bär in der Kulturlandschaft. Konflikte, Chancen, Lösunen im Umgang mit großen Beutegreifern. Praxisbibliothek Naturschutz und Landschaftsplanung, herausgegeben von Prof. Dr. E. Jedicke. Ulmer-Verlag. Stuttgart. 287pp.

Animal Diversity Web (ADW): https://animaldiversity.org - University Michigan, Museum of Zoology.

Large Carnivore Initiative for Europe (LCIE) https://www.lcie.org/Largecarnivores/Eurasianlynx.aspx