Maßnahmen und Strategien

Hunde als Herdenschutz­maßnahme


Herdenschutzhunde, die auf Schafe sozialisiert wurden, verstehen sich als Teil der Schafherde. Sie leben von Anfang an permanent mit der Nutztierherde und bewachen und verteidigen diese, sie werden ausschließlich für diesen Schutz und nicht zum Hüten gehalten. Unter Berücksichtigung bestimmter Gegebenheiten können Herdenschutzhunde in nahezu jedem Gelände eingesetzt werden, sie organisieren die Verteidigung der Herde selbstständig. Wenn sie Gefahr wittern, beginnen sie diese zu verbellen und alarmieren so auch potenziell den Hirten bzw. sonstiges Aufsichtspersonal, beeindrucken mit ihrer Größe und versuchen so, den Gegner abzuwehren und zu vertreiben. Die Grundlage für den Einsatz von Hunden zum Herdenschutz ist deren Sozialverhalten und die Fähigkeit, Bindungen einzugehen. Herdenschutzhunde haben viele positive Eigenschaften von anderen Rassen: Ruhe und Gelassenheit, Respekt vor den Nutztieren und einen geringen Jagdinstinkt. Die Wesensunterschiede und die verschiedenen Anforderungen an einen Hüte- im Vergleich zu einem Herdenschutzhund sind der Grund dafür, dass selbst erfahrene Schäfer, die mit Hütehunden arbeiten, sich intensiv mit dem Herdenschutzhund auseinandersetzen müssen. Ohne Sachkenntnis sind Probleme bei der Haltung dieser Tiere programmiert (Walther und Franke 2014, Landry 1999).

Die Größe der zu schützenden Herde (und die Anzahl der Großbeutegreifer in der Region) entscheidet darüber, wie viele Herdenschutzhunde benötigt werden. Dabei sollten immer mindestens zwei Hunde zusammen gehalten werden. Ab einer Herdengröße von 500 Schafen ist von zwei bis drei Hunden, ab 1000 Schafen eher von drei bis vier Hunden auszugehen. Die Haltung von einzelnen Hunden ist nicht nur aus tierschutzfachlichen Aspekten abzulehnen, sondern auch, weil der einzelne Hund nicht genügend Auslastung erfährt und infolgedessen oftmals die Nutztiere belästigt.

Ein Herdenschutzhund bei der Arbeit
Ein Herdenschutzhund bei der Arbeit

Die Hauptarbeitszeit ist die Abenddämmerung, die Nacht und die Morgendämmerung, am Tag schlafen sie und beteiligen sich am Tagesgeschehen nur, wenn sie Gefahren für die Herde wittern. Herdenschutzhunde werden sowohl in der Koppel- als auch in der Hüte- und Almhaltung eingesetzt, aber weder zum Treiben noch zum Hüten. Gegenüber dem Halter zeigt der Herdenschutzhund ein selbstbewusstes, souveränes (nicht aggressives), eigenmotiviertes Handeln mit nur bedingter Unterordnung. Er folgt dabei nur wenigen Befehlen und benötigt deshalb einen Halter mit Durchsetzungsvermögen, weil die Unterordnungsbereitschaft des Herdenschutzhundes sehr gering ist (Walther 2014).

Ausbildung

Herdenschutzhunde müssen auf ihre Eignung im vorgesehenen Einsatzgebiet beurteilt werden. Der Eignungstest beginnt mit der Sozialisierung. Bereits im Welpenalter gibt es Anzeichen dafür, ob ein Hund zum Schutz der Schafe geeignet ist. Ungeeignete Hunde können nicht einfach aus der Herde genommen und an andere Halter abgegeben werden. Grundwissen und Sachkunde für die Haltung der Herdenschutzhunde erfordern Zeit und Verantwortungsbewusstsein, das ist bei jeder Entscheidung über den Verwendungszweck zu berücksichtigen.
Ein gut ausgebildeter Herdenschutzhund zeigt sich herdentreu und respektiert den Zaun. Der Herdenschutzhund ist seinen Bezugspersonen gegenüber freundlich und zutraulich. Fremden Personen und ihm unbekannten Einflüssen gegenüber sollte sich der Hund wachsam und zurückhaltend verhalten (bellen und Abstand halten). Während der Ruhephase der Herde in den Mittagsstunden sind die Hunde ruhig, aber aufmerksam, schlafen und reagieren oft ruhiger als in der Nacht(Walther 2014, Landry1999).

Herdenschutzhunde-Rassen

Bekannt sind über 30 verschiedene Herdenschutzhunde-Rassen, die Mehrheit dieser Rassen wird in Europa und Asien gehalten. In ihren Ursprungsländern werden viele von ihnen als selbstverständlicher Teil der Hirtenkultur angesehen, denn Herdenschutzhunde gehören mit zu den ältesten Rassen.

Zu den bekanntesten und von der Fédération Cynologique Internationale (FCI) anerkannten Herdenschutzhund-Rassen gehören der aus Italien stammende Cane Pastore Maremmano-Abrucese (Maremmano-Abruzzen-Schäferhund) und der aus Frankreich stammende Chien de Montagne des Pyrenées oder Patou des Pyrenées (Pyrenäenberghund), dessen spanisches Gegenstück der Mastin de los Pirineos (Mastiff) ist. Aus Ungarn kommt der Kuvasz. Der Owczarek Podhalanski (Polnischer Hirtenhund, Tatrahund) wird in Polen eingesetzt und aus der Türkei sind die drei Rassen Akbas, Karabas und Kangal bekannt. Aus dem Kaukasus und den angrenzenden Gebieten stammt der Kaukasische Owtscharka (Landry 1999).

In Amerika war diese Form des Herdenschutzes so gut wie nicht bekannt, ähnlich wie in unseren Breiten. Erst in den letzten 30 bis 40 Jahren setzten die Farmer Amerikas und Australiens mit großem Erfolg Herdenschutzhunde ein. Die Methoden dafür wurden in den Ursprungsländern wie Bulgarien, Spanien und der Schweiz studiert, den örtlichen Gegebenheiten angepasst und weiterentwickelt. Die geeigneten Arbeitshunde wurden zunächst in aller Welt beobachtet und später weiterentwickelt. Heute unterstützen mehrere tausend Herdenschutzhunde erfolgreich die Arbeit von Tierhaltern in den USA, Kanada und auch Australien. Es gibt auch noch einen weiteren positiven Effekt von Herdenschutzhunden - die Übertragung von Krankheiten von Wildtieren auf Nutztiere wird ebenfalls eingeschränkt.

Quellen:

Landry, J.-M. (1999): Der Einsatz von Herdenschutzhunden in den Schweizer Alpen: Erste Erfahrungen. KORA Bericht deutsch 2, Koordinierte Forschungsprojekte zur Erhaltung und zum Management der Raubtiere in der Schweiz. http://www.kora.ch/fileadmin/file_sharing/­5_Bibliothek/52_KORA_Publikationen/­520_KORA_Berichte/­KORA_02_D_1999_Herdenschutzhunde­_erste_Erfahrungen.pdf

Walther, R. & Franke, H. (2014): Erprobung und Bewertung von Schutzmaßnahmen für Nutztiere vor dem Wolf, insbesondere der Einsatz von Herdenschutzhunden und Elektronetzen. Schriftenreihe des LfULG 16/2014, Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG), Pillnitzer Platz 3, 01326 Dresden, Deutschland.
https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/­22053/documents/30077