Maßnahmen und Strategien

Herdenschutz

Herdenschutz ist Teil des Herdenmanagements


Anmerkung: Mit Überlegungen zu Herdenschutz auf Almen beschäftigt sich der Beitrag von Dr. Albin Blaschka mit dem Titel "Integrierter Schutz von Schafen in der Almhaltung" (PDF des Beitrages), präsentiert auf der Nutztierschutztagung 2020 der HBLFA Raumberg-Gumpenstein

Überlegungen

Angriffe von Beutegreifern auf Nutz- oder Haustiere kommen in seinem gesamten Verbreitungsgebiet vor und bergen großes Konfliktpotential, auch wenn in einem bestimmten Gebiet keine solchen konkret nachgewiesen wurden.

Es zeigt sich, dass die von Beutegreifern verursachten Schäden häufig nicht so sehr ein ökonomisches, sondern ein emotionales Problem darstellen (Walther, 2014). Diese Art von Verlusten ist finanziell für die Besitzer de facto nicht kompensierbar, was die Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen zur Verhinderung solcher Schäden an Nutz- und Haustieren umso dringender macht. Schäden lassen sich durch derartige Schutzmaßnahmen zumindest minimieren, wenn nicht in manchen Fällen sogar vollständig vermeiden. Dies zeigen Schutzmaßnahmen in Ländern, in denen Beutegreifern wie z. B. der Wolf nie ausgestorben waren, wie z. B. in Rumänien oder Bulgarien, aber auch neu eingeführte Methoden im Rahmen von Projekten, wie etwa in Norwegen oder auch der Schweiz.

Information zu Herdenschutzhunden auf der Alp Ramuz (Schweiz)
Information zu Herdenschutzhunden in Kals, Osttirol (Großglocknergebiet)

In einer Kulturlandschaft sind große Beutegreifer jedoch auch auf jeden Fall auf die Toleranz des Menschen angewiesen.
Insgesamt zeigt sich jedoch auch, dass es für den Umgang mit dem Wolf es keine pauschalen Lösungen geben kann (Reinhardt, 2007). In jedem Fall ist es notwendig, den Beutegreifern und hier speziell dem Wolf Grenzen aufzuzeigen und die Weidetiere zu schützen. Schafe müssen durch die Schutzmaßnahmen eine mühsame Beute sein. Quer durch alle gefundenen Projekte und daraus abgeleiteten Empfehlungen kann gesagt werden, dass Herdenschutzhunde und Elektrozäune den besten Schutz bieten, für den Tierhalter bedeutet dies allerdings einen erheblichen Mehraufwand (Walther, 2014).

Definitionen

Für eine gemeinsame Gesprächsbasis ist klarzustellen worüber man spricht - Nachfolgend helfen uns dabei folgende Definitionen:

Herdenschutz:
Herdenschutz umfasst alle Maßnahmen, die geeignet sind Weidevieh vor Schäden durch Beutegreifer zu bewahren bzw. die helfen, das Risiko solcher zu minimieren. Dies kann einerseits durch Vermeidungsstrategien oder durch aktive Abwehrmaßnahmen geschehen. Die am weitesten verbreiteten Maßnahmen umfassen den Bau von Zäunen und die Haltung von Herdenschutzhunden. Diese Maßnahmen sind im Idealfall ein integraler Teil von Maßnahmen des Herdenmanagements und werden nicht mehr als zusätzliche Aufgabe empfunden. Bei den Vermeidungsstrategien sind auch Maßnahmen im Rahmen des Weideverfahrens denkbar, z. B. die regelmäßige Nutzung von Nachtpferchen oder Stallungen während der Nacht.
Herdenmanagement:
Das Herdenmanagement umfasst alle Tätigkeiten direkt am bzw. für das Tier und bestimmt damit auch die Zusammensetzung der Herde, um diese unter den Bedingungen des angewendeten Haltungssystems fit zu halten. Darunter fallen alle tiergesundheitlichen und pflegerischen Maßnahmen, zusätzlich zur Zusammenstellung einer konkreten Herde für eine Weidesaison in einem bestimmten Gebiet mit seinen Bedingungen. Das Herdenmanagement zielt auf das Tierwohl ab, um einen möglichst hohen Ertrag zu erzielen.
Weideverfahren:
Der Begriff "Weideverfahren" beschreibt die Techniken und Prozesse, wie landwirtschaftliche Nutztiere in Zeit und Raum gehalten werden, um konkrete Ziele zu erreichen. Über das Weideverfahren wird festgelegt, wie, wann, was, wie viel und wo die Tiere weiden können (Allen et al., 2011). Eng mit dem Weideverfahren ist das Weidemanagement verbunden.
Weidemanagement:
Dieses umfasst alle Maßnahmen zur Pflege und zum Erhalt von Weideflächen. Diese Maßnahmen betreffen den Boden, die vorkommenden Pflanzen und auch Tiere. Das Ziel des Weidemanagements ist es, eine qualitativ hochwertige, für eine Beweidung bestens geeignete Weidefläche langfristig zu erhalten. So wie das Herdenmanagement auf das Tierwohl abzielt, ist das Weidemanagement darauf ausgerichtet, gesunde Pflanzenbestände als Basis für die Ernährung der Weidetiere zu erhalten.
Herdenschutzhunde:
Herdenschutzhunde werden gehalten, um Nutztiere vor Bären, Wölfen, streunenden Hunden, aber auch vor Viehdieben zu schützen. Es sind keine Treib- oder Hütehunde, dafür wurden und werden kleinere und wendigere Rassen eingesetzt. Herdenschutzhunde sollen Angreifer melden und gegebenenfalls vertreiben, sie jedoch nicht angreifen (passive Verteidigung). Käme es zum Angriff und zur Verfolgung, würde die Herde allein zurückbleiben und ihr Schutz wäre nicht mehr gewährleistet (Walther & Franke, 2014). Bis in die Gegenwart wurden Hunde, die zum Schutz der Herden eingesetzt werden sollten, von den Hirten nach ihrem physischen Erscheinungsbild, ihrem Verhalten als Welpe und ihrer Arbeitsleistung selektiert. Es wurden die Hunde verwendet und an die Erfordernisse angepasst, die lokal vorhanden waren. So entstand ein Stamm von Tieren, der sehr unterschiedlich im Erscheinungsbild ist, aber gleichmäßig in seiner Funktion, eine so genannte “Landrasse”.
Hütehunde:
Hütehunde unterscheiden sich grundlegend von Herdenschutzhunden. Altdeutsche Hütehunde wie z. B. der Deutsche Schäferhund oder der Border Collie werden für die Herdenführung eingesetzt. Sie sind auf den Schäfer fixiert und erfahren von ihm eine intensive Ausbildung, sie gehorchen seinen Anweisungen und führen diese selbstständig aus. Die Ausbildung erstreckt sich etwa über zwei Jahre, je nach Individualität des Hundes. Hütehunde werden im Gegensatz zu den Herdenschutzhunden nach getaner Arbeit dem Zwinger zugeführt oder abseits des Pferches untergebracht.

Herdenschutz in der Schweiz: https://chwolf.org/woelfe-in-der-schweiz/herdenschutz/herdenschutzmassnahmen

Quellen:

Allen, V. G., Batello, C., Berretta, E. J., Hodgson, J., Kothmann, M., Li, X., McIvor, J., Milne, J., Morris, C., Peeters, A. &amo; Sanderson, M. (2011): An international terminology for grazing lands and grazing animals. In: Grass and Forage Science, 66, 1: 2–28.

Reinhardt, G., Ilka und Kluth (2007): Leben mit Wölfen. Leitfaden für den Umgang mit einer konfliktträchtigen Tierart in Deutschland. BfN-Skripten 201, Bundesamt für Naturschutz (BfN), Konstantinstr. 110, 53179 Bonn, Deutschland.
https://www.bfn.de/fileadmin/MDB/documents/service/skript201.pdf

Walther, R. & Franke, H. (2014): Erprobung und Bewertung von Schutzmaßnahmen für Nutztiere vor dem Wolf, insbesondere der Einsatz von Herdenschutzhunden und Elektronetzen. Schriftenreihe des LfULG 16/2014, Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG), Pillnitzer Platz 3, 01326 Dresden, Deutschland.
https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/22053/documents/30077