Maßnahmen und Strategien

Zäune als Herdenschutz­maßnahme

Zäune als Teile des Herden- und Weidemanagements stellen bei entsprechender Ausführung auch eine Herdenschutzmaßnahme dar


Grundsätzlich ist bei Zäunen zwischen permanenten, dauerhaften Einrichtungen und nur kurzzeitig bzw. temporär errichteten Zäunen für z. B. Nachtpferche zu unterscheiden. Zäune halten die Herde in einem überschaubaren Gebiet zusammen und unterstützen dadurch die Arbeit des Schäfers oder des Halters. In der Vergangenheit diente der Zaun im Wesentlichen dazu, die Nutztiere auf der Fläche zu halten. In Anwesenheit großer Beutegreifer im Haltungsgebiet erfährt der Schutzmechanismus eine Umkehr, er muss auch von außen den Herdenschutz mit größter Sicherheit erfüllen. Entsprechend dieser unterschiedlichen Anforderungen durch Weideverfahren und Tierart gibt es unterschiedlichste Arten von Zäunen und Zaunsystemen.

Einfache Zaunsysteme, Grundschutz

  • Litzen‐ oder Drahtzaun mit mindestens vier stromführenden Litzen in den Abständen über dem Boden von ca. 20, 40, 60 und 90cm.
  • Stromführende Weidenetze mit einer Mindesthöhe von ca. 90cm
  • Knotengitter, Mindesthöhe ca. 90cm und elektrifiziertem Stoppdraht 15 - 20cm vor dem Zaun und ca. 20cm über dem Boden

Weitere Anforderungen

  • Ständige Spannung von mindestens 3500 Volt an jeder Stelle des Zauns
  • Ausreichende Erdung
  • Keine durchhängenden Drähte, Litzen oder Netze
  • Regelmäßige Kontrollen, mit einem Voltmessgerät
  • Stromlose Zäune müssen unbedingt vermieden werden, diese sind vorübergehend abzubauen oder ständig unter Strom zu halten
  • Pfostenabstand nicht größer als 8m, bei starken Drähten und stabilen Pfosten kann der Abstand größer sein, solange die Stabilität und Spannung der Drähte nicht beeinträchtigt ist.
  • Abstand von unterster Litze zum Boden nicht mehr als ca. 20 cm
Zäunung für einen Pferch mit einem Knotengitter, in dieser Form noch kein vollständiger Herdenschutzzaun
Zäunung mit einem Knotengitter für einen temporären Pferch, Hauser Kaibling, Steiermark.
Es ist auf eine ausreichende Stromversorgung zu achten, zur Verstärkung bei hohem Wolfsdruck ist ein Flatterband empfohlen.

Erweiterter Schutz

Bei Ersatz oder Neukauf von Weidenetzen ist es sinnvoll, solche mit einer Höhe von mindestens 1,05 Meter (und in blau-weiß) anzuschaffen, diese bieten einen erhöhten Schutz. Ein weiterer Vorteil aller neuen Netze sind die Versteifungen bei den senkrechten Litzen. Sie haben dadurch einen besseren Stand, was ein Durchhängen leichter vermeidet und insgesamt zu einem stabileren Stand verhilft.

Verstärkter Litzenzaun

Ein Litzenzaun, der einen Grundschutz bietet, kann mit einem blauen Flatterband und/oder einer stromführenden Litze mit einem Bodenabstand von ca. 120cm aufgewertet werden.
Blinklampen, sogenannte „Foxlights“ sollten generell nur als kurzzeitige Verstärkung und nicht als alleinige Massnahme eingesetzt werden, z.B. wenn ein Wolf im Gebiet ist. Diese Blinklampen sind am Zaun angebrachte, unregelmäßig blinkende Lichter. Es kommt aber nach kurzer Zeit zu einem Gewöhnungseffekt.

Planung eines Herdenschutzzaunes

Das Österreichzentrum Bär, Wolf, Luchs hat eine Broschüre mit Empfehlungen zu den oben genannten Mindeststandards für Herdenschutzzäune und den möglichen Erweiterungen herausgebracht, diese Herdenschutzbroschüre steht als PDF zum Herunterladen bereit!

Die Planung einer Umzäunung damit setzt Kenntnisse über die Funktion des Zaunes und seine notwendige Ausführung voraus. Er besteht aus miteinander verknüpften, horizontal und vertikal verlaufenden Strängen in unterschiedlicher Höhe. Diese bestehen entweder aus einem nicht leitenden Material und sind zusätzlich mit einem elektrischen Leiter versehen oder dienen unmittelbar als elektrischer Leiter.
Ein Weidenetz dient zum Aufbau eines Zaunes, der Bereiche oder Flächen auf Zeit trennt. Geschieht dies speziell, um Schafe oder Ziegen zu umzäunen und die Fläche zu beweiden, so spricht der Schäfer auch vom Aufbau der Koppel. Bekannt als Arbeitsverfahren der Koppelschafhaltung wird es aber auch zur Einrichtung von separaten Portionsweiden und zum Aufbau von Nachtpferchen eingesetzt. Der Weidezaun mittels Elektronetz ist also geeignet, wenn Tiere für die zeitlich begrenzte Nutzung von Weiden oder Ackerflächen eingezäunt werden sollen. An den Weidezaun speziell werden hohe Ansprüche gestellt, er muss möglichst ausbruchsicher, stabil und langlebig sein, bezahlbar und für den Anwender leicht sowie flexibel handhabbar. Als Elektrozäune können sie die Raubtiere direkt fernhalten. Sie definieren aber auch für Herdenschutzhunde klar begrenzte Wirkungsbereiche.

Wichtig bei Zäunen ist die grundsätzliche Konstruktion, damit diese die Mindestanforderungen an den Herdenschutz erfüllen. Eine Studie aus Schweden (Frank 2017) untersuchte Zäune, die dem Herdenschutz dienen und dafür auch gefördert wurden und fand, dass von 100 zufällig ausgewählten Zäunen (von 289 Zäunen insgesamt) nur 14% diese Kriterien erfüllten. Keiner der Zäune, die die Kriterien erfüllten war älter als acht Jahre. Interessanterweise waren Alters- bzw. Verschleißerscheinungen die kleinste Fehlerquelle, die bedeutendste waren grundsätzliche Konstruktionsfehler. Im Rahmen ihrer Untersuchungen zur Wirksamkeit von Zäunen fanden Wam (2004) ähnliche Muster, wenn auch nicht so stark ausgeprägt.

Quellen:

Frank, J. & Eklund, A. (2017): Poor construction, not time, takes its toll on subsidised fences designed to deter large carnivores. In: PLOS ONE, 12, 4: 1–10. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0175211

Österreichzentrum Bär, Wolf, Luchs, 2020. Technischer Herdenschutz. Empfehlungen zu Mindeststandards und erweitertem Schutz von Weidetieren, Stand März 2020, 12 S. Online verfügbar unter: https://baer-wolf-luchs.at/download/oez_herdenschutzbroschuere.pdf

Wam, H. K., Dokk, J. G. & Olav, H. (2004): Reduced Wolf Attacks on Sheep in Østfold, Norway, using ElectricFencing. In: Carnivore Damage Prevention News 7: 12–13.