Maßnahmen und Strategien

Zäune als Herdenschutzmaßnahme

Zäune als Teile des Herden- und Weidemanagements stellen bei entsprechender Ausführung auch eine Herdenschutzmaßnahme dar


Grundsätzlich ist bei Zäunen zwischen permanenten, dauerhaften Einrichtungen und nur kurzzeitig bzw. temporär errichteten Zäunen für z. B. Nachtpferche zu unterscheiden. Zäune halten die Herde in einem überschaubaren Gebiet zusammen und unterstützen dadurch die Arbeit des Schäfers oder des Halters. In der Vergangenheit diente der Zaun im Wesentlichen dazu, die Nutztiere auf der Fläche zu halten. In Anwesenheit großer Beutegreifer im Haltungsgebiet erfährt der Schutzmechanismus eine Umkehr, er muss auch von außen den Herdenschutz mit größter Sicherheit erfüllen. Entsprechend dieser unterschiedlichen Anforderungen durch Weideverfahren und Tierart gibt es unterschiedlichste Arten von Zäunen und Zaunsystemen.

Im Zusammenhang mit Herdenschutz werden z. B. in Sachsen folgende Maßnahmen als Mindeststandards vorgeschrieben: 90 cm hohe, stromführende Elektrozäune (Euronetze oder 5-Litzenzäune, mind. 2000 Volt) oder mind. 120 cm hohe, feste Koppeln aus Maschendraht, Knotengeflecht oder ähnlichem Material, mit festem Bodenabschluss (Spanndraht), die aufgrund ihrer Bauart ein Durchschlüpfen von Wölfen verhindern. Zusätzlich ist ein Flatterband anzubringen, damit die Wölfe den Zaun nicht überspringen können. Das Flatterband wird 30 cm über dem Elektrozaun (Euronetz) angebracht (Quelle: Walther und Franke 2014).

Zäunung für einen Pferch mit einem Knotengitter, in dieser Form noch kein vollständiger Herdenschutzzaun
Zäunung mit einem Knotengitter für einen temporären Pferch, Hauser Kaibling, Steiermark.
In dieser Form ist dies noch kein vollständiger Herdenschutzzaun. Es ist auf eine ausreichende Stromversorgung zu achten und ein Flatterband ist ebenfalls noch anzubringen!

Die Planung einer Umzäunung damit setzt Kenntnisse über die Funktion des Zaunes und seine notwendige Ausführung voraus. Er besteht aus miteinander verknüpften, horizontal und vertikal verlaufenden Strängen in unterschiedlicher Höhe. Diese bestehen entweder aus einem nicht leitenden Material und sind zusätzlich mit einem elektrischen Leiter versehen oder dienen unmittelbar als elektrischer Leiter.
Ein Weidenetz dient zum Aufbau eines Zaunes, der Bereiche oder Flächen auf Zeit trennt. Geschieht dies speziell, um Schafe oder Ziegen zu umzäunen und die Fläche zu beweiden, so spricht der Schäfer auch vom Aufbau der Koppel. Bekannt als Arbeitsverfahren der Koppelschafhaltung wird es aber auch zur Einrichtung von separaten Portionsweiden und zum Aufbau von Nachtpferchen eingesetzt. Der Weidezaun mittels Elektronetz ist also geeignet, wenn Tiere für die zeitlich begrenzte Nutzung von Weiden oder Ackerflächen eingezäunt werden sollen. An den Weidezaun speziell werden hohe Ansprüche gestellt, er muss möglichst ausbruchsicher, stabil und langlebig sein, bezahlbar und für den Anwender leicht sowie flexibel handhabbar. Als Elektrozäune können sie die Raubtiere direkt fernhalten. Sie definieren aber auch für Herdenschutzhunde klar begrenzte Wirkungsbereiche.

Wichtig bei Zäunen ist die grundsätzliche Konstruktion, damit diese die Mindestanforderungen an den Herdenschutz erfüllen. Eine Studie aus Schweden (Frank 2017) untersuchte Zäune, die dem Herdenschutz dienen und dafür auch gefördert wurden und fand, dass von 100 zufällig ausgewählten Zäunen (von 289 Zäunen insgesamt) nur 14% diese Kriterien erfüllten. Keiner der Zäune, die die Kriterien erfüllten war älter als acht Jahre. Interessanterweise waren Alters- bzw. Verschleißerscheinungen die kleinste Fehlerquelle, die bedeutendste waren grundsätzliche Konstruktionsfehler. Im Rahmen ihrer Untersuchungen zur Wirksamkeit von Zäunen fanden Wam (2004) ähnliche Muster, wenn auch nicht so stark ausgeprägt.

Quellen:

Frank, J. & Eklund, A. (2017): Poor construction, not time, takes its toll on subsidised fences designed to deter large carnivores. In: PLOS ONE, 12, 4: 1–10. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0175211

Walther, R. & Franke, H. (2014): Erprobung und Bewertung von Schutzmaßnahmen für Nutztiere vor dem Wolf, insbesondere der Einsatz von Herdenschutzhunden und Elektronetzen. Schriftenreihe des LfULG 16/2014, Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG), Pillnitzer Platz 3, 01326 Dresden, Deutschland.
https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/22053/documents/30077

Wam, H. K., Dokk, J. G. & Olav, H. (2004): Reduced Wolf Attacks on Sheep in Østfold, Norway, using ElectricFencing. In: Carnivore Damage Prevention News 7: 12–13.