Maßnahmen und Strategien

Vergrämungsmaßnahmen als Herdenschutz


Allgemein

Vergrämungsmaßnahmen bzw. Abschreckungsmaßnahmen in Form von Beleuchtungsanlagen, Lärmquellen, aber auch chemischen Stoffen oder sogar (Gummi-) Projektilen stellen sind sekundäre Schutzmaßnahmen, die in Kombination mit elektrifizierten Zäunen bei akuten Vorfällen als Ergänzung, bzw. der kurzfristigen Abschreckung dienen können. Sie sollen auch keinesfalls permanent vor Ort angebracht werden, einerseits um eine Gewöhnung der Beutegreifer zu vermeiden und andererseits, wenn vorhanden, auch nicht die Arbeit von Herdenschutzhunden zu erschweren.

Flatterbänder und Fladry

Das Fladry ist eine solide Leine, an der gut sichtbare, rote Bänder befestigt werden. Diese werden an Zäunen aufgehängt. Eine Alternative zu den Fladry sind Flatterbänder. Dabei werden 20 bis 30 cm lange Bänder am Besten mit blau-weissem Absperrband direkt am Zaun angebracht, die Bänder erhöhen die Sichtbarkeit der Zäune.
Beide Methoden sind nur bei elektrifizierten Zäunen sinnvoll, eignen sich aber nicht bei Braunbären!

Blinklampen

Bei Wolfs- und Luchspräsenz oder bereits erfolgten Rissen können Blinklampen als kurzfristige Notmaßnahmen bei bestehenden, gut elektrifizierten Zäunen eingesetzt werden. Normale Baustellenlampen sind nicht brauchbar, es müssen spezielle Lichter mit Zufallsgenerator und Farbunterschieden um eine Gewöhnung der Raubtiere zu verzögern, eingesetzt werden.

Gebietskontrollen mit Hunden

Im Rahmen von Untersuchungen in Norwegen zum Einsatz von Herdenschutzhunden, wurde auch ein Verfahren getestet, bei dem ein Schäfer mit einem oder auch zwei Hunden im Gebiet, in dem es zu Übergriffen durch Wölfe kam, regelmäßig patroullierten.

Es konnten so die Verluste (Angriff, Unfälle, Krankheiten) von 15,5% auf 2 bis 3% verringert werden. Nach dem Ende der Studie wurden die Hunde abgezogen und sofort stiegen die Verluste wieder an. Vorteilhaft an dieser Methode war vor allem, dass sie auch in nicht umzäunten Gebieten angewendet werden kann und auch besser an die norwegische Weidehaltung angepasst ist. Der Schäfer hütet die Schafe nicht, sondern kontrolliert nur den ordnungsgemäßen Zustand der Tiere, wo vorhanden die Zäune und achtet auf Besonderheiten im Gebiet. Diese Kontrolle werden grundsätzlich für die Abend- und Morgenstunden empfohlen. Ein weiterer Vorteil dieser Methode ist, dass eine starke soziale Bindung an Schafe nicht notwendig ist. Das bedeutet, dass der Hund als gewöhnlicher Familienhund das ganze Jahr über einfacher zu halten sein kann.

In den Untersuchungen konnte festgestellt werden, dass ein Hund und ein Schäfer ein Gebiet von 10–12 km² kontrollieren können (15 h Arbeit/Woche). Bei größeren Gebieten müssen mehr Hunde eingesetzt oder nur die am meisten frequentierten Sektoren kontrolliert werden. Ein vollkommener Schutz ist wie eingangs erwähnt nicht möglich, aber eine deutliche Reduktion konnte erzielt werden, allerdings nicht zuletzt deshalb, weil vorher die Übergriffe ebenfalls zahlreich waren.

Quellen:

Hansen, I. (2005): Use of Livestock Guarding Dogs in Norway – a Review of the Effectiveness of Different Methods. In: Carnivore Damage Prevention News 8: 2–8.

Walther, R. & Franke, H. (2014): Erprobung und Bewertung von Schutzmaßnahmen für Nutztiere vor dem Wolf, insbesondere der Einsatz von Herdenschutzhunden und Elektronetzen. Schriftenreihe des LfULG 16/2014, Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG), Pillnitzer Platz 3, 01326 Dresden, Deutschland.
https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/22053/documents/30077

Vergrämungsmassnahmen - Fachstelle Herdenschutz Schweiz (AGRIDEA): http://www.protectiondestroupeaux.ch/zaeune-weitere-schutzmassnahmen/weitere-schutzmassnahmen/vergraemungsmassnahmen