Risse durch Wölfe in Österreich

Eine einheitlich akkordierte Rissstatistik zu führen ist ein schwieriges Unterfangen. Neben den begutachteten Rissen gibt es verletzte Tiere (die entweder wieder genesen oder euthanasiert werden müssen) und abgängige Tiere, von denen manche jedoch später wieder auftauchen. Weiters gibt es Entschädigungen auf Kulanzbasis von sogenannten indirekten Schäden (zeitgleich oder später festgestellte Abgänge in Gebieten mit bestätigten Wolfsrissen) oder von unbestätigten Rissen.

Nutztierrisse - Rissbegutachtungen 2020

Die folgende Grafik zeigt die Verteilung der Rissbegutachtungen 2020 auf die Bundesländer, aufgeschlüsselt danach, ob eine Wolfsattacke bestätigt werden konnte oder nicht. Aus allen Bundesländern bis auf Wien und das Burgenland wurden Risse gemeldet. Tirol war 2020 Spitzenreiter in allen Kategorien (gemeldete, bestätigte, nicht bestätigte Risse). Es war auch das einzige Bundesland in diesem Jahr, in dem die Mehrzahl der Wolfsrissmeldungen bestätigt wurden (82 %). In allen anderen Bundesländern konnte der Wolfsverdacht in der Mehrzahl der Fälle nicht bestätigt werden. Der Wolf ist so präsent in den Köpfen, dass bei allen außergewöhnlichen Vorkommnissen mit Weidetieren der erste Verdacht gleich auf den Wolf fällt.

Gemeldete Verdachtsfälle Risse 2020
Gemeldete Verdachtsfälle von Rissvorfällen im Vergleich zu den davon anhand der DNA bestätigten Rissen, im Jahr 2020, nach Bundesländern

Die Entwicklung der Risszahlen 2009 - 2020 (Wolf)

Die in Tabelle und Grafik ausgewiesenen Verluste (getötete, verletzte und abgängige Tiere) beruhen bis 2016 auf den Monitoringdaten und ab 2017 auf Mitteilungen der Bundesländer an das Österreichzentrum betreffend die jährlichen Entschädigungszahlungen für Wolfsrisse (hier sind nachträglich gemeldete und kulant behandelte Fälle inkludiert).
Mit der Zunahme der Anzahl Wölfe in Österreich im Verlauf der letzten 12 Jahre war insgesamt auch eine Zunahme der Anzahl an Nutztierrissen zu beobachten. Von Jahr zu Jahr schwankten die Zahlen jedoch stark, was damit zu erklären ist, dass bei einem in absoluten Zahlen geringen Wolfsbestand individuelle Verhaltensunterschiede stark zum Tragen kommen können. Einzelne Tiere mit besonderem Interesse an Schafen können in dem begrenzten Zeitraum ihrer Anwesenheit viele Risse und so deutliche Spitzen in der Kurve verursachen.
Wie in anderen europäischen Ländern auch, sind Schafe die mit Abstand häufigsten Opfer von Wolfsangriffen auf Nutztiere. Ziegen sind ähnlich gefährdet, aber viel seltener auf Weiden anzutreffen. Größere, wehrhaftere Weidetiere wie Rinder und Pferde werden weitaus seltener angegriffen. Jungtiere sind bei den letzten beiden Arten eher gefährdet, aber auch erwachsene Rinder wurden in Österreich jeweils von einem Einzelwolf schon gerissen. Beim Gatterwild handelte es sich durchwegs um Damwild oder Mufflon, ein Rotwildgatter war nur in einem Fall betroffen.

Entwicklung Zahl Rissvorfälle 2009-2020
Entwicklung der Zahlen von Rissvorfällen 2009-2020, nach betroffener Tierart und Jahr
JahrSchafZiegeRindPferdGatterwildSumme
200982--1-83
201011412--117
20111221--15
201245----45
201321-2--23
20142224--28
2015155-3--158
2016103--2841
201721-1--22
201812581218154
2019176-8-2186
2020294278-1330
Summe107743303491202
Prozent89,603,582,500,254,08100,00

Verteilung der nachgewiesenen Nutztierrisse auf Bundesländer 2009 - 2020 (Wolf)

Das Auftreten von Nutztierrissen war über die Bundesländer ungleich verteilt. Am stärksten betroffen in den letzten 12 Jahren waren Tirol, Salzburg und Kärnten, gefolgt von Niederösterreich und der Steiermark. Oberösterreich und Vorarlberg registrierten relativ wenige Nutztierrisse, Burgenland und Wien gar keine. Die unterschiedlichen Landesflächen verfälschen das Bild, Vorarlberg war als kleines Bundesland vergleichsweise stärker betroffen als die absoluten Zahlen vorgeben, die größten Bundesländer Steiermark und Niederösterreich vergleichsweise geringer. Die Verteilung der Risse auf die Bundesländer wies auch von Jahr zu Jahr große Unterschiede auf. Jedes Bundesland verzeichnete Jahre ohne Risse und die Position des Spitzenreiters in der Schadensstatistik wurde im Verlauf der Jahre immer wieder von einem anderen Bundesland eingenommen.

Gerissene Nutztiere nach Bundesland und Jahr, ab 2017 Anzahl entschädigter Tierverluste
JahrSbgStmkKtnTirolVbgSumme
2009--136406-83
201013--6935-117
201115-----15
2012----45--45
2013--122--23
20141-4710-628
2015--11813--27158
201642413----41
201776-1-8-22
201876727191213154
20195-75542581186
2020210-24328110330
Summe:12347238106232409471202