Beutegreifer heute in der Kulturlandschaft

Der Braunbär: Biologie und Verhalten


Verbreitung in Europa Gestern und Heute

Die Verbreitung des Braunbären auf unserer Hemisphere erstreckte sich einst über ganz Nord- und Mitteleuropa bis nach Asien und bis in das Atlasgebirge von Marokko und Algerien.
In Europa beschränken sich Bären hauptsächlich auf Bergwälder. Die wichtigste Lebensraumanforderung ist ein dicht bewachsenes Gebiet, in dem sie sich tagsüber niederlassen können.

Der letzte Bär, vor seinem Wiederauftreten, wurde in Tirol 1898 erlegt. 1972 konnte dann im Ötschergebiet ein selbständig eingewandertes Männchen nachgewiesen werden. Zwischen 1989 und 1993 wurden drei Bären aus Kroatien und Slowenien dort zusätzlich angesiedelt, die Population entwickelte sich zuerst positiv. Seit 2012 gilt diese Population aber wieder als erloschen.
In neuerer Zeit werden immer wieder Bären in Kärnten nachgewiesen, die meist aus Slowenien zuwandern.

Eine aktuelle Verbreitungskarte für Europa findet sich unter https://www.lcie.org/Largecarnivores/Brownbear.aspx

Aktuelle Hinweise auf Bärenvorkommen in Österreich sind unter https://baer-wolf-luchs.at/verbreitungskarten.htm abrufbar.

Die Bären in Europa unterteilen sich aktuell in zehn Populationen (Die größenangaben beziehen sich auf den Zeitraum 2012-2016, Quelle https://www.lcie.org/Large-carnivores/Brown-bear)
Skandinavien
Länder: Norwegen, Schweden: 2825 Individuen, Tendenz abnehmend
Karelien
Länder: Norwegen, Finnland: 1660 Individuen, Tendenz stabil
Baltikum
Länder: Estland, Lettland: 700 Individuen, Tendenz stabil
Karpaten
Länder: Rumänien, Polen, Slowakei, Serbien: 7630 Individuen, Tendenz stabil
Dinariden - Pindos-Gebiet
Länder: Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegovina, Montenegro, Nordmazedonien, Albanien, Serbien, Griechenland: 3950 Individuen, Tendenz stabil - zunehmend
Alpen
Länder: Italien, Schweiz, Österreich, Slowenien: 49-69 Individuen, Tendenz stabil - zunehmend
Östlicher Balkan
Länder: Bulgarien, Griechenland, Serbien: 468-665 Individuen, Tendenz stabil
Zentral-Appennin
Länder: Italien: 45-69 Individuen, Tendenz stabil
Kantabrien
Länder: Spanien: 321-335 Individuen, Tendenz zunehmend
Pyrenäen
Länder: Frankreich, Spanien: 30 Individuen, Tendenz stabil

Aussehen, Körperbau, Charakteristik

Das dichte Fell des Braunbären kann von fast ganz schwarz bis hin zu cremefarben variieren.

Bären sind Vierfüßer, können sich aber auch auf ihre Hinterfüße stellen, da sie ein weitaus flexibleres Schultergelenk als andere Beutegreifer wie Luchs oder Wolf haben. Männchen sind meist zwischen einem Drittel und der Hälfte größer als Weibchen, Männchen erreichen ein Körpergewicht zwischen 200 bis 350kg, Weibchen liegen zwischen 80 und 180kg.

Sinne

Der beste ausgeprägte Sinn des Bären ist der Geruchssinn. Ein Bär hat in etwa gleich viele Geruchsrezeptoren in der Nase wie ein Hund. Diese Nase setzen sie hauptsächlich zur Nahrungssuche ein, egal ob es sich um einen Kadaver oder um den Reifegrad von Früchten oder Pflanzenteilen geht. Auch die innerartliche Kommunikation läuft über Gerüche. Auch das markante Aufrichten auf die Hinterbeine wird meist mit einer leichteren Aufnahme von Gerüchen in Verbindung gebracht.

Auch der Gehörsinn ist bei Bären gut ausgeprägt. Auf Geräusche in seinem Aufenthaltsgebiet reagiert der Bär - er zieht sich bei Störungen normalerweise sofort zurück oder verbleibt auch in seinem Versteck.

Bären sind weiters dafür bekannt, sich sehr gut orientieren zu können, man geht sogar davon aus, dass Bären eine geistige Landkarte ihres Streifgebietes besitzen, mit allen wichtigen Futterstellen, Unterschlupfen, menschlichen Siedlungen usw. Das führt jedoch auch dazu, hat ein Bär einmal eine Stelle als Futterquelle geortet (Abfalltonne, Komposthaufen), dass er immer wieder zurückkehren wird.

Leistungsfähigkeit

Sind Bären aktiv, liegt ihr Aktivitätsradius zwischen wenigen hundert Metern bis hin zu rund 35km in einer Nacht. Dies ist abhängig von verfügbaren Futterressourcen oder auch Partnersuche ab. Suchen sie ein neues Streifgebiet, können auch hunderte Kilometer im Extremfall zurückgelegt werden.

Verhaltensmuster

Braunbären können zu jeder Tageszeit aktiv sein, aber in der Regel sind sie morgens und abends auf Futtersuche und ruhen sich tagsüber in einem Versteck aus. Diese Verstecke sind mit meist flachen, von ihnen gegrabene Vertiefungen ausgestattet.

Sozialverhalten

Das Sozialverhalten der Bären ist zwar weniger komplex, aber er ist keines wegs "unsozial". Er ist auch um einiges toleranter gegenüber Artgenossen im Streifgebiet - Bären besetzen kein klassisches Territorium, Streifgebiete können sich also auch überlappen. Bären nutzen auch das Gebiet der Jahreszeit angepasst und nicht immer gleich intensiv. Kurzfristig schließen sie sich während der Paarungszeit zwischen Ende April, Anfang Mai und Juli zu Paaren zusammen.

Ernährung und Jagdverhalten

Der Bär gilt als großer Beutegreifer, er ist aber ein Allesfresser und nutzt daher ein breites Nahrungsspektrum. Dazu gehören auch offene Mülltonnen, Komposthaufen und andere Abfälle des Menschen, was oft ein Grund für Konflikte ist. Solche offenen und sich im Freien befindlichen Ablagerungen sollen in einem (potenziellen) Bärengebiet daher vermieden werden. Daher ist es bei Wanderungen in einem Streifgebiet von Bären dringend zu empfehlen, die Wege nicht zu verlassen und über Geräusche einem Bären zu ermöglichen, sich zu entfernen und überraschende Zusammenstöße zu vermeiden.

Die Ernährung ändert sich im Jahresverlauf, im Frühjahr dominieren Gräser, Kräuter und teilweise Fallwild, der Sommer ist charakterisiert durch zuckerhaltige Waldfrüchte, und Insekten. Im Herbst, wo sie sich auch einen Fettvorrat für den Winter anfressen, gehen sie je nach Verfügbarkeit hauptsächlich auf Bucheckern, Eicheln, und Früchte, aber auch Säugetiere.

Quellen:

Heurich, M. (Hrsg.), 2019: Wolf, Luchs und Bär in der Kulturlandschaft. Konflikte, Chancen, Lösunen im Umgang mit großen Beutegreifern. Praxisbibliothek Naturschutz und Landschaftsplanung, herausgegeben von Prof. Dr. E. Jedicke. Ulmer-Verlag. Stuttgart. 287pp.

Animal Diversity Web (ADW): https://animaldiversity.org/accounts/Ursus_arctos/ - University Michigan, Museum of Zoology.

Large Carnivore Initiative for Europe (LCIE) https://www.lcie.org/Large-carnivores/Brown-bear